G u i d o s  R e i s e b e r i c h t e

Indien
Einleitung

 Südindien 2003  Indien 2005
Sikkim + Darjeelin
Indien 2007
Von Kerala nach Kalkutta
 Zentralindien 2004

Mensch und Umwelt

Indien 2008
Rajasthan

Indien 2009
Chhattisgarh + Orissa

Indien 2010
Gu
jarat, Varanasi 
Kalkutta mit Umgebung

Südindien 2011

I n d i e n  2 0 0 4
 Z e n t r a l I n d i e n
Eine erlebnisreiche Reise durch Zentralindien.

Wir erlebten während drei Wochen eine tolle und unvergessliche Reise, die alles zu bieten hatte, was Indien als Reiseland auszeichnet. Die vielen tollen Begegnungen mit den Menschen und der Natur bleiben unvergessen. Wir reisten von Delhi nach Bophal mit der Eisenbahn und von dort weiter mit Auto und Fahrer durch Zentralindien. Dort erlebten wir ein Highlight nach dem andern. Anschliessend fuhren wir mit der Eisenbahn nach Orissa, wo wir weitere erlebnisreiche Tage verbrachten. Zum Abschluss brachte uns die Eisenbahn nach Kalkutta.
 

Bhopal erlangte traurige Berühmtheit

Bhopal erlangte traurige Berühmtheit als Ort der schlimmsten Industriekatastrophe, die die Welt je erlebt hat. Am frühen Morgen des 2. Dezember 1984 explodierten Tanks und brachten eine todbringende Wolke über die Stadt. Die Anzahl der Toten summierte sich auf über 20'000 Personen und viele Menschen leiden heute noch an den Folgen dieser Katastrophe. Wir besuchten den pulsierenden Basar Chowk, der berühmt ist für Tabak, Schleier, Staub und Eunuchen. Dieser Basar ist stark moslemisch geprägt.

Übernachten im ländlichen Dorf Deori
In Deori übernachteten wir in einem ganz einfachen Gasthaus mit gerade nur zwei Zimmern. Im Gästebuch fanden wir nur Einträge von Indern. Als wir durch das Dorf spazierten, das Abseits der Durchgangsstrasse liegt, wurden wir von überall her kritisch gemustert. Ein junger Mann sprach uns dann an. Mit seinem bescheidenen Englisch, verständigten wir uns so gut als möglich. Wir wurden dann zuerst zu seinem Kollegen und später zu Ihm nach Hause eingeladen. Der Bann war gebrochen, wir wurden jetzt von überall her angelacht. Als wir uns auf den Nachhauseweg machten , war gerade die Schule aus, so wurden wir von einer grossen Schar Kinder nach Hause begleitet, und die übrigen Dorfbewohner schauten dem lustigen Treiben neugierig zu. Uns wurde dann, ein mit viel liebe zubereitetes und sehr feines Nachtessen serviert. Am Morgen kamen noch einige um sich von uns zu verabschieden. Es war ein wirklich interessanter Aufenthalt in diesem eher wohlhabenden, ländlichen Dorf Deori.
 

Jabalpur und die Marble Rock

Fahrt von Deori nach Jabalpur. Wir übernachteten in einem einfachen Gasthaus in Bhedaghat bei den Marble Rocks. Dort besuchten wir die Marble Rocks mit dem Boot und machten einen Spaziergang zum Dhaundhar Wasserfall ( Dunstkaskade ). Bhedagaht ist ein Art Wallfahrtsort für die Hindus. Wir genossen diesen Tag sehr, als einzige nicht Inder unter so vielen Leuten. Später hatten wir auch noch Zeit, um etwas weiter Fluss abwärts das rege Treiben bei einer Fluss Fähre zu beobachten. Hier konnten wir mit eigenen Augen sehen, dass der Raubbau an Indiens Wäldern für die Indischen Frauen ein immer steigender Arbeitsaufwand bedeutet, mit immer mehr Zeitaufwand für die täglichen Pflichten des Holz sammeln.
Kanaha Nationalpark
 
Hier nahmen wir täglich, morgens und abends, an geführten Safaris teil. Das hiess: Am Morgen ging es um 6.00 Uhr los und um 12.00 Uhr kam wir zum Mittagessen zurück. Um 14.30 bis um 18.30 ging es schon wieder auf die Nachmittagssafari. Nachher gab es ein feines Nachtessen am Lagerfeuer. Wir waren jeweils so um die sechs bis acht nicht indischen Touristen, die von zwei Guides vom Ressort betreut wurden. Die Tage waren also komplett ausgefüllt, vor allem mit den spannenden Safaris. Der Kanha National Park bietet eine atemberaubende Natur und Tierwelt. Mit Laubwäldern, Savannengrasland, Hügeln und sanften Flüssen. Am Morgen gab es zuerst eine Jeepsafari bis zum Frühstück, das beim Jeep eingenommen wurde. Während dieser Zeit waren die Buschmänner mit ihren Elefanten auf Tiger suche. Wir fuhren dann in die Nähe der Tiger, und dann ging es auf dem Rücken der Elefanten auf Tigerbeobachtungen. Am Nachmittag betrachteten wir vor allem die traumhafte Natur im Licht der untergehenden Sonne.

Ein erlebnisreicher Tag im Kanha NP

Am 31. Januar feierten Bernadette und ich unseren Hochzeitstag und es war der mit Abstand der bewegendste Hochzeitstag, den wir je erlebten. Zwei einheimische Frauen kamen mit ihren Kindern mit auf die Safari, um ihre Männer/Väter bei der Arbeit auf den Elfanten zu beobachten. Es war für uns sehr schön, dies alles mit Einheimischen teilen zu können. Es wurde dann ein ganz spezieller Morgen, denn es wurde uns nun das volle Programm geboten, mit wilden Elefanten Ritten und es wurde uns gezeigt, wie zwei von Kindheit an, an Tiger gewöhnte Elefanten, einen Tiger einkesseln können, so dass dieser sich nicht zu fliehen wagte. Wir erlebten dies alles, auf dem Rücken dieser beiden Elefanten mit. Später wieder im Jeep, passierte etwas das eher selten vorkommt. Ein Tiger kam uns auf der Strasse entgegen. Wir stoppten und warteten bis der Tiger ungefähr zwanzig Meter von uns entfernt war, und fuhren dann langsam zurück bis der Tiger die Strasse verliess. Die alles dauert ungefähr 20 Minuten lang. Nun konnten wir Bernadettes Herz pochen hören vor Aufregung. Was wäre wohl passiert wenn der Motor des Jeeps nicht angesprungen wäre?

Chhattisgarh

Jung wie das neue Jahrtausend, alt wie die Erdgeschichte – mitten in Indien warten faszinierende kulturelle und landschaftliche Attraktionen auf Besucher mit Sinn für das Außergewöhnliche. Bis 1999 war Chhattisgarh Teil des großen indischen Flächenstaates Madhya Pradesh und hatte kaum Chancen, seine vielfältigen touristischen Möglichkeiten zu entwickeln, geschweige denn zu präsentieren. Seit dem Jahr 2000 herrscht überall in dem von Raipur aus verwalteten neuen Bundesstaat Aufbruchstimmung. Gute Überlandstraßen machen den Weg frei zur Entdeckung von Kulturstätten und Naturwundern, die den Vergleich mit den weltweit berühmten großen Namen auf dem indischen Reiseatlas standhalten.

Fahrt nach Kawardha. Dort wohnten wir im Palace Hotel.

Auf der Fahrt nach Kawardha wurde ich plötzlich nervös. Auf was haben wir uns da eingelassen, dachte ich? Werden wir uns wohl fühlen in diesem riesigen Palast, in dieser vornehmen Umgebung? Wird uns etwa sogar langweilig, in dieser abgelegenen Gegend? Zuerst wurden wir dem Maharaja vorgestellt, der ausserhalb des Palastes wohnt, und der gerade vom Fotografen Robert Huber aus Deutschland besucht wurde, der ein Fotobuch über die schönsten Paläste Indiens machte. Nachher wurden wir unserem Gastgeber dem Prinzen Jogi Ray vorgestellt. Mit Ihm und seiner Frau, der Prinzessin Kirta aus West Bengalen, assen wir jeweils zusammen zu Abend. Wir waren in dieser Zeit die einzigen Gäste. Seit Agra, ausser im Kanha NP, sahen wir keine ausländischen Touristen bis nach Orissa..

Tolle Begegnungen mit den Menschen und der Natur

Im Hotel Palace war alles inbegriffen, Vollpension, Getränke, Wäsche waschen, Fahrrad, Kino sowie Sunny als Guide und ein Auto mit Fahrer. Das Programm wurde nach unseren Wünschen zusammen gestellt, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen und Spaziergänge und kleine Fahrrad Touren zu unternehmen. So ging es dann los, und was folgte, waren unglaublich erlebnisreiche Tage, mit unzähligen tollen Begegnungen mit den Menschen und der Natur, hier im Herzen Indiens. Am Morgen besuchten wir zuerst eine moderne Zuckerrohrfabrik. Die Bauern müssen bis zu zwei Tage und Nächte warten, bis sie ihr Zuckerrohr abliefern können. Anschliessend besuchten wir eine Dorfgemeinschaft des Baiga Bergstamms. Weiter in den Bergen besuchen wir dann eine Baiga Internat. Hier ist alles sehr einfach. Es gibt nur je ein Schlafraum, mit ganz einfachen Liegebetten ohne Decken, und Bett an Bett. Nachher assen wir das von Prinzessin Kirta selbst gekochte Mittagessen auf dem Feld. Am Nachmittag besuchten wir dann in Singhasi Village den Tribal Mark mit dem Tribal Festival. Mitten drin zu sein in diesem lebhaften Treiben, und sich nicht als Eindringling fühlen zu müssen, war ein fantastisches Erlebnis. Als wir wieder losfahren wollten, kamen wir mit einer Gruppe Baigas in Kontakt. Wir nahmen diese Gruppe dann mit uns mit und stopften das Auto voll, so konnten sie sich den 10 km Fussmarsch ersparen.

Es ging dort zu wie bei einem Staatsempfang

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Sahspur Lace, der mit dem Auto kaum mehr zu erreichen ist. Dort am Ende der Zivilisation wanderten wir um den See und beobachteten die farbenprächtigen Vögel. In einem Innenhof eines Hauses assen wir Mittagessen, damit wir mit dem Geschmack unseres Essens keine Bären anlockten. Nachher fuhren wir nach Lohara. Dort gibt es ein Brunnenschacht in den eine Treppe zu unterirdischen Räumen führt. Dort hielten sich früher die Bewohner des Palastes, bei grosser Hitze auf. Am Nachmittag besuchten wir die High School von Lohara. Es ging dort zu wie bei einem Staatsempfang Der Prinzipal war sehr Stolz. Anschliessend wurden wir von Miss Poja nach Hause eingeladen. Die Eltern legten für uns Ihr Sonntagsgewand an.

Die älteren Frauen lachten teilweise lauthals!

Den nächsten Tag verbrachten wir in Kawardha, und wir bewegten uns mit dem Fahrrad fort. Die älteren Frauen lachten teilweise lauthals, wenn sie Bernadette radeln sahen. Wir besuchten auch Sunnys Familie. Um 15 00 fuhren wir dann mit dem Auto zum Saroda Damm, einem sehr schönen sunset point Schon bald kamen wir mit einer Indischen Familie, und mit deren netten Tochter Sanjana ins Gespräch. Diese waren sehr interessiert an uns und an der Schweiz. So picknickten wir eine Stunde gemütlich zusammen, bis zum Sonnenuntergang. Auf der Heimfahrt kamen wir noch bei einem Dorffestival vorbei. Am Abend kamen die Milchmänner von Kawardha nur wegen uns zum Palast, und führten Folkstänze für uns auf.

Chilpe mit den wohl ursprünglichsten Wochenmark

Am nächsten Morgen besuchten wir ein Poter Village, die Schule von Cherke Kachaz und Sunnys Lodge. Wir besuchten auch ein Baiga Dorf und sahen dort viel Armut und Elend. Diese Leute Leben praktisch ohne medizinische Versorgung. Viele der Bewohner hier Husten stark. Sunny nahm ein wenig Medikamente mit und verteilte diese an die Baigas. Als ich ein Haus von innen sah erschrak ich. Die Häuser hier haben zwei Räume und sind praktisch leer. Ein bis zwei halbvolle Säcke mit Reis und sonst einfach nichts. Es gibt weder Betten noch Decken. Die Baigas hier schlafen auf dem Boden, es wird ja aber um diese Jahreszeit richtig kalt in der Nacht. Sunny baute hier in der Nähe ein Lodge mit zwei Zimmern und hofft so indirekt diesen Leuten etwas helfen zu können. Das Gasthaus steht in der nähe eines Sees und eines Tempels, in der freien Natur und liegt etwa 40km vom Kanha NP und je 20 km von Kawardha und Chilpi entfernt. Am Nachmittag besuchten wir in Chilpe den wohl ursprünglichsten Wochenmark in dieser Gegend.

Mit dem Kalinga-Express-Zug in 17 Stunden nach Bhubanswar in Orissa

Am nächsten Tag wurden wir dann mit dem Auto nach Bilaspur zum Bahnhof geführt, ca. 120 km. Unterwegs machten wir einen Halt in einem Restaurant. Dort ging ich aufs WC und so musste ich in den 2. Stock, durch eine Art Backstube. Dort herrschten andere Arbeitsbedingungen als bei uns. Vielen Dank an unsern Guide Sunny und an unseren Fahrer Paanch sowie dem Personal des Palace.
Am Mittag fuhren wir mit dem Kalinga-Express-Zug nach Bhubanswar in Orissa. Auch wenn die Fahrt 17 Stunden dauerte, war uns keine Minute langweilig, und wir schliefen auch sehr gut.
Bhoramdeo Jungle Retreat
Sunny pflegt sehr gute Kontakte zu den Ureinwohnern vom Volk der Baigas und vom Stamm der Gond und vermittelt Besuche in deren im Wald versteckten Dörfern. Wer mit der Natur, den Menschen und Ihrer Lebensweise und derer Kultur hautnah in Kontakt kommen möchte der ist hier genau am richtigen Ort. Wir besuchten traditonelle Märkte, Schulen, Familien etc. ganz nach unserern Wünschen , um so mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen und erlebten unglaublich erlebnisreiche Tage, mit unzähligen tollen Begegnungen mit den Menschen und der Natur, hier im Herzen Indiens.
Bhoramdeo Jungle Retreat
satyendra upadhyay(sunny)
bhoramdeo,chhattisgarh,India
(mo)094255-58230,
093009-88997

sunnybjr@rediffmail.com
     

Bhubaneswar, die Hauptstadt Orissas

Orissa, das Land der Oriyas, war früher unter dem Namen Kalinga bekannt. Kalingas Geschichte ist eng mit dem großen Maurya Herrscher Ashoka verbunden, der nach der Eroberung Kalingas durch eine grausame Schlacht der Kriegsführung abschwor und sich dem Buddhismus zuwandte. Erst seit 1949 besteht der Bundesstaat in seiner heutigen Form.Bhubaneswar, die Hauptstadt Orissas hat über 500 Tempeln, darunter viele aus dem 6. bis 11 Jahrhundert. Wir hatten uns eine Rikscha gemietet und machten uns einen gemütlichen Tag in . Bhubaneswar
Am nächsten Tag fuhren nach Puri und besuchten unterwegs Pipli mit dem grossen Angebot an lokalem Kunsthandwerk, zu unglaublich günstigen Preisen.

Ausflug zum Vogelparadies Chilka See

Am folgenden Tag machten wir einen Ausflug zum Vogelparadies Chilka See ( 60 km ) Zuerst nahmen wir den Bus, doch als wir merkten, wie langsam das geht, und wie eng es in diesem Käfig wurde, stiegen wir am Stadtrand von Puri wieder aus. Zuerst zu Fuss, und später mit einer Rikscha gingen wir zum Zentrum zurück. Dort mieteten wir uns ein Auto mit Fahrer und fuhren wieder Richtung Chilka See. Auf der Fahrt dorthin überholten wir den Bus etwa nach 40 km, und später sahen wir ihn nach Total 3 Stunden Fahrzeit ankommen. Unser Fahrer brachte uns geradewegs zu einem Bootsvermittler, doch als wir die stark übersetzten Preise sahen, sagten wir, nein Danke. Wir versuchten dem Fahrer klar zumachen, dass wir wieder zurückfahren wollten, um unterwegs Spaziergänge zu machen. Er verstand uns, und die Welt nun gar nicht mehr, denn so musste er nun auf die Provision des Bootsvermieters verzichten. Doch wir genossen den Nachmittag in dieser einsamen, wunderbaren Wasser Landschaft mit diesem fantastischen Vogelparadies. Später wurden wir noch von Fischern in ihre Schutzhütte zum Tee eingeladen. Auf der Heimfahrt begegneten wir noch aufgebrachten Demonstranten. Dem Fahrer zahlten wir am Schluss einen guten Preis, und so waren am Ende doch alle zufrieden.

Puri die Tempelstadt mit dem berühmten Janannath Tempel

Puri die bedeutendste Tempelstadt des Bundesstaates zeichnet sich durch ein hektisches Pilgertreiben aus wegen des berühmten Janannath Tempel, der sich wie eine deplazierter Weltraumrakete über die schmalen, geschäftigen Strassen erhebt. Er ist einer der vier heiligen geografischen Kardinalpunkte Indiens. Nicht Hindus dürfen den Tempel nicht betreten. Es gibt hier 6000 Tempeldiener, die unterteil werden in 96 erhebliche, welche für die Bedürfnisse der Gottheiten sorgen, wie Zähne putzen, Anziehen, Füttern usw., und den viele andern Dienern. In den Strassen rund um den Tempel herrschte ein reges Geschäftsleben mit vielen Bettlern. Heute war ich den ganzen Tag zu Fuss unterwegs und wir erlebten einen aussergewöhnlich interessanten Tag. Doch als ich zu Fuss an den Slums in der Nähe des Bahnhofs vorbeikam, war ich recht geschockt. Ich hatte noch nie solch erbärmliches von so Nahe gesehen. Aber auch hier waren die Leute sehr freundlich und lachten und sprachen mich an. An Bettler, und vieles andere mehr, habe ich mich schon lange gewöhnt, aber wenn man sieht wie diese Menschen, und vor allem die vielen Kinder, wohnen müssen, das geht dann schon unter die Haut.

Ist das überhaupt noch Leben oder nur noch ein Überleben?

Am nächsten Abend werden wir mit dem Nachtzug nach Kalkutta weiter reisen. Zuvor spazierten wir der ganzen Beach Puris entlang, an das andere Ende der Stadt. Die Bilder dieses grauenhaften Fischerdorfs kann ich nicht mehr vergessen. Es stehen Behausungen an Behausungen ohne einen einzigen Schatten spendenden Baum. Zwischen diesen Häusern und dem Meer türmt sich zuerst der Müll und der Rest ist dann voller menschlichem Kot. Die Kinder dort haben überhaupt nicht den geringsten Platz zum spielen. Es scheint wenigstens, dass sie keinen Hunger leiden müssen. Wir fragten uns jedoch, ob dieses Elend überhaupt noch zu übertreffen sei? Ist das überhaupt noch Leben oder nur noch ein Überleben? Übrigens gibt es sehr viele Inder, die sich unter den hundert reichten Menschen auf diesem Planeten einreihen.

Kalkutta

Am Morgen Früh kommen wir gut ausgeruht in Kalkutta an. Nach dem Transfer in das zentral gelegene Hotel und einem ausgiebigen Frühstück mache ich einen kleinen Spaziergang, um uns Getränke zu besorgen. Ich wurde schon bald von einer Bettlerin angesprochen die ihr Kind dabei hatte. Da ich Bettlerinnen, die ihre Kinder dabei haben, normalerweise nichts gebe, versuchte ich sie abzuwimmeln denn ich hatte sowieso kein Kleingeld mit dabei. Doch sie lies nicht locker und begleitet mich zu einem Shop. Als ich das Trinken gekauft hatte gab ich ihr etwas. Sie konnte gut Englisch sprechen, weil sie jeweils Sonntags bei irgend einem kirchlichen Verein Unterricht bekam Sie erklärte mir, das sie und ihr Kind, sowie ihr Mann, der Tagelöhner ist, hier unter den Arkaden, neun Monate im Jahr wohnen und schlafen. Wenn Regenzeit ist, fahren sie in ihr hundert Kilometer entferntes Dorf zurück, wo sie auch noch ihre Verwanden unterstützen. Ich kaufte ihrem Sohn eine Schreibtafel, der nun plötzlich aus seiner Lethargie erwachte. Tara zeigte mir dann ihren Platz wo sie schläft, dort gab es lediglich einen Karton am Boden, und eine kleine Tasche. Ich versprach ihr sie am Nachmittag wieder zu besuchen.

Sterbehaus von Mutter Theresa

Wir machten dann eine Stadtrundfahrt und am Schluss wollten wir noch das Sterbehaus von Mutter Theresa besuchen, weil es mich persönlich interessierte und weil Bernadette auch als Pflegerin viel mit dem Sterben in Berührung kommt. Wir waren etwas unsicher ob dies richtig ist, doch sofort wurden hier herein gebeten. Unmittelbar nach dem Eingang waren viele sterbende und kranke Menschen in dem sauberen grossen hellen Raum auf ihren Liegebetten. Bald wurden wir von einem Mann angesprochen, der an unserem Dialekt erkannte, dass wir aus der Schweiz kamen. Er ist auch Schweizer und 67 Jahre alt und arbeitete seit 7 Jahren für dieses Sterbeheim. So konnten wir aus erster Hand viel interessante erfahren. Die wichtigsten Aussagen die er machte waren: Dass das ursprüngliche Sterbehaus heutzutage etwa 50 % der Patienten wieder verlassen können und dass es mehr und mehr zu einem Spital geworden ist und dass in Kalkutta niemand mehr verhungern müsse, da es immer irgendwo, etwas zu tun gibt. Ich hatte es mir auch schon gedacht, dass Kalkutta nicht mehr das Armenhaus Indiens ist, als das es bezeichnet wird.

Ein typischer Indischer Liebesfilm mit viel Musik.

Wie abgemacht traf ich Tara am Nachmittag wieder, und sie und ihr Sohn begleiteten mich dann zum Hotel zurück. Am Schluss sagte ich ihr, dass Bernadette und ich heute Abend ins Kino gehen würden. Als ihre Augen zu leuchten begannen fragte ich sie spontan, ob sie mitkommen wolle. Sie sagte sofort ja. Ich fragte was mit den mit dem Jungen machen wolle. Der könne mitkommen sagte sie ganz selbstverständlich. Es war ein typischer Indischer Liebesfilm mit viel Musik, und so simpel, das man den Film auch versteht, ohne dass man die Sprache verstehen muss. Tara konnte so herzhaft lachen und auch ihr Boy genoss diesen Abend sehr. Wir verabredeten uns für den morgigen letzten Tag in Indien noch einmal.
Bernadette und mir war sofort klar, wenn man jemanden so persönlich kennen gelernt hat, kann man nicht einfach zur Tagesordnung wechseln. Wir gingen mit Ihr und dem Jungen essen, und versuchten einiges in die Wege zu leiten, damit wir ihre Familie von zu Hause aus finanziell ein wenig unterstützen können. Nach vielen Problemen klappt es dann. Wir werden die Familie auf unserer nächsten Indienreise im Februar 2005 wieder treffen.

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Guidos Reiseberichte

 Letzte Aktualisierung am  01.06.2017 16:07:18 

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