G u i d o s  R e i s e b e r i c h t e


M o n g o l e i  2 0 1 1
T e i l  6
 

Zeltcamps Orkhon + Boorog Tal

Guidos Reiseberichte
 

T e i l   1
Einleitung

T e i l   2
Reiseverlauf
T e i l   3
Ullan Bator, Terelji, Buren Khaan
T e i l   4
Amarbayasgalant, Uran Togoo
T e i l   5
Ogi Nuur, Karakorum, Tuvkhun
T e i l   6
Zeltcamps Orkhon + Boorog Tal
T e i l   7
Wüste Gobi
T e i l   8
Lammergeyer- Tsaggan Canyon
T e i l   9
Infos
zur Reise
T e i l   10
Bücher + DVD Tipps

Am Mittag erreichten wir das Ger Camp in der Nähe von Karakorum direkt am Orkhon Fluss. Wir haben genügend Zeit die Gegend um Karokorum und das Städchen selber zu erkunden. Wir erleben viele nette Begegnungen mit den Einheimischen. Ogi und Amber kaufen am Nachmittag das Essen und die Getränke für die nächsten vier Tage ein.
Das Orkhon-Tal ist seit Jahrtausenden von Nomaden und ihren umherziehenden Tierherden besiedelt. Immer wieder trifft man auf ihre weißen Jurten und davor angebundene Pferde. Auf der Durchquerung des Tals lernten wir diese Region und ihre Bewohner besonders gut kennen und lieben.  Der Orkhon ist die Lebensader der Region und seine Täler. Ein heiliger Fluss. Wenig erforscht und mythenumwoben durchquert er das Herz der Mongolei. 1235 ließ Dschingis Khan im Orkhon-Tal die Hauptstadt der Mongolen bauen, eine prachtvolle Palastanlage mit gepflasterten Strassen und luxuriösen Empfangshallen, die Voraussetzung für den ersten mongolischen Staat. Im Orkhon-Tal lag das Verwaltungszentrum für ein Imperium, das vom Pazifik bis zum Mittelmeer reichte. Ein internationales Team von Wissenschaftlern sucht heute nach dem Palast des Großkhans. Vermutlich wurde auf seinen Ruinen 1586 das erste buddhistische Kloster der Mongolei gebaut.

Um 21.00 Uhr spielte in einer Jurte im Camp das Khar Khorum Orchester traditionelle Folk Songs. Diesen Musikstiel findet man nur in der Mongolei. Er spiegelt  das Leben und Denken der Mongolen wieder.

Dem Orkhon entlang geht es weiter in Richtung Tuvkhun Kloster. Dieses wurde 1653 erbaut und wird auch "Land der glücklichen Einsamkeit " genannt, da er als Zufluchtsort der Meditation  des ersten buddhistischen Königs Zansabazar diente. Das Kloster liegt in der Nähe des Gipfels Shiveet Ulaan Berges. Der Aufstieg zum Kloster ist anstrengend aber als alternative bietet sich der Transport auf dem Pferderücken an. Leider ist es mir heute aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich diesen Aufstieg zu bewältigen. Wir schlagen unser Zelt-Camp deshalb ganz in der Nähe in einer Waldlichtung auf. Ogi und Amber bereiten  dort unser Essen über dem Lagerfeuer zu. Es ist ein herrlicher Platz zum verweilen und zum zum sich erholen. Bei unserer ersten Nacht im Zelt schlafen wir sehr gut.

Heute geht es los zum Orkhon Wasserfall. Wir machen noch einen kurzen Halt im netten Städtchen Bat Olzii.

Der Orkhon Wasserfall, ist ein spektakuläres Schauspiel der Natur. Die Gegend wurde von Vulkanen geprägt und durch die Mitte des Tals zieht sich der Länge nach eingewaltiger erstarrter Basalstrom. Völlig unerhofft steht man am Rande eines 20 m tiefen Kessel, von dessen Rand sich an einer Stelle der kleine Fluss Ulaan gol als Wasserfall senkrecht in den Orkhon Fluss ergiesst. Der Weg runter ist etwas mühsam aber lohnt sich ganz bestimmt.

Nun suchen wir uns den nächsten Zeltplatz. Am Borog Fluss finden wir einen wunderbaren Platz. Direkt am Ufer des Borog und inmitten von Yaks, Pferden, Schafen und Ziegen stellen wir unser Zelt auf. Ideal zum Baden und um Spaziergänge zu unternehmen oder einfach zum relaxen. Auch besuchen uns Hunde, die dann in der Nachts direkt bei unseren Zelten ein grosses Gebell veranstalten. Ich verscheuche sie dann mit meiner Taschenlampe in dem ich sie Blende. Am Morgen meint Ogi, es sei sicher ein Wolf in der Nähe gewesen, den ich mit meiner Taschenlampe ebenfalls vertrieben habe, was ich eher als unwahrscheinlich erachte. Die lokalen Nomaden verlieren geschätzte 1-2% ihrer Viehbestände an die Wölfe. Die relativen Verluste sind unter den ungehüteten Pferden, Rindern und Kamelen höher als unter den gut überwachten Schafen und Ziegen.
Die weithin praktizierte nomadisierende Weidewirtschaft erzwingt infolge des wiederkehrenden Ortswechsels die Haltung von Tierarten, die das ganze Jahr über - also auch in den extrem kalten Wintern, in denen es freilich eher nur um ein »Durchhungern« der Tiere geht - ihr Futter auf Naturweiden selbst suchen können. Schafe, Ziegen, Kamele, Pferde und Rinder eignen sich für diese Form der Weidehaltung am besten. Zu den Rindern zählen auch die als Zug- und Reittiere sowie als Lieferanten von Milch, Fleisch, Haaren, Häuten und Mist (Brennstoff) genutzten Yaks und deren Kreuzungen mit dem mongolischen Hausrind, Chajnags genannt.

Heute bieten sich uns landschaftlich reizvolle Aussichten, trotz dem Regen.  Stellen mit Lärchen und Birkenwäldern sowie vielen Wildblumen gibt es hier sowie  erloschene Vulkane. Das Hangai Gebirge  erstreckt sich 800 Km vom Westen nach Osten in die Zentralmongolei und die meisten Berge sind etwa 2500 m hoch über dem Meeresspiegel. Wir wandern zum ersten von acht Seen im Naiman Nuur N.P. im Boorgo Tal. Naiman Nuur  bedeutet soviel wie acht Seen. Diese Seen sind vor Millionen von Jahren durch die Eruption von Vulkanen entstanden und bilden heute einen Teil eines Naturschutzgebietes.

Durchnässt und schmutzig kommen wir zu unserem Fahrzeug zurück. Wir werden von einer Nomadenfamilie eingeladen unsere nassen und schmutzigen Kleider bei Ihnen in der Jurte zu trocknen, und bei ihnen zu übernachten. Sie kochen dann für uns mit unserem Proviant einen traditionelle mongolischen Nudeleintopf. Diese Familie wohnt nur im Sommer hier und führt noch einen kleinen Supermarkt. Während er übrigen Zeit kocht die Hausherrin in Bat Olzii in der Schulküche 1000 Mittagessen zusammen mit 4 anderen Frauen, und zusätzlich hundert Nachtessen für die Internatsschüler. In der Mongolei hat jeder Schüler das Anrecht  auf ein warmes Mittagessen in der Schule. Etwa hundert Meter entfernt wohnen in einer anderen Jurte andere Familienmitglieder die im Winterhalbjahr mit ihren Tieren  dann wieder in ihr Winterquartier umziehen werden.

Den Nachmittag nutzen wir für einen Spaziergang und beobachten anschliessend das melken der Yaks. Die Milchgewinnung ist beim Yak gleichfalls deutlich aufwändiger als bei der Milchkuh. In der Regel muss die Kuh durch ein Kalb angerüstet werden. Der Melkvorgang macht dabei meist zwei Personen notwendig. In den meisten Haltungsgebieten werden Yaks nur einmal am Tag gemolken. Durch ein zweimaliges Melken kann zwar der Milchertrag gesteigert werden, der zusätzliche Arbeitsaufwand steht jedoch in keinem Verhältnis zur zusätzlich gewonnenen Milch.

Wir sind bei einer sehr fleissigen Familie zu Gast und dürfen dabei zuschauen wie alle Familienmitglieder sehr flink und geschickt Scherengitter herstellen.
Die Konstruktion der Jurte ist ebenso einfach wie genial. Aus biegsamem Holz gefertigte Scherengitter, deren einzelne Streben nicht mit Nägeln, sondern mit Lederstreifen zusammengehalten werden, bilden die Jurtenwand, die in jüngster Zeit oft auf einem Holzfußboden sitzt. Die Latten lassen sich scherenartig zusammendrücken und nehmen beim Transport nur wenig Platz ein. Stellt man eine Jurte auf, so zieht man die Gitter kreisförmig auseinander und lässt nur für den Türrahmen Platz. Man befestigt die stehenden Lattengitter mit Schnüren. Der Durchmesser der Jurte richtet sich nach der Zahl der verwendeten Scherengitter. Die einfach gehaltene, alltägliche mongolische Jurte besteht aus vier Scherengittern.
Das deutsche Wort Jurte stammt aus dem türkischen jurt, was soviel wie Zelt, Lagerplatz, Land, Heimat oder Wohnort bedeutet. Die Jurte ist die übliche Unterkunft nomadisierender Völker, sie ist gleichzeitig Haus und Heimat. Wie in der deutschen Sprache die Wörter Heim und Heimat untrennbar miteinander verbunden sind, so bedeutet auch Jurte beides für die Nomaden. Im Mongolischen heißt Jurte Ger.

Ein feucht fröhliche, und ziemlich laute Nacht steht uns bevor. Der Hausherr lädt noch drei Kollegen ein und unser Begleiter sind quasi die Ehrengäste. Jetzt wird kräftig Mongol Arkhi getrunken. Dieses Getränk ist in der Mongolei besonders unter Männern sehr angesehen, da es traditionell den härtesten "Stoff" darstellte. Mongol Arkhi wird unverdünnt getrunken, normalerweise "auf ex". Nachts um 02.00 Uhr ist dann Schluss. Unglücklicherweise stolpert der Hausherr  über unser Zelt und bleibt dort liegen und schläft. Da er ununterbrochen im Schlaf spricht ist für uns das Schlafen nicht möglich. Ich hole dann Ogi aus der Jurte, doch er ist fast nicht wach zu kriegen. Doch am Ende gelingt es mir und er kann den Hausherrn dazu bewegen aufzustehen. Am Morgen wurden wir dann gefragt was in der Nacht los war, denn niemand wusste mehr so genau was letzte Nacht alles passiert ist. Als wir die Geschichte erzählten und wir erklärten, dass wir es lustig finden, brach ein Gelächter los. Die Verabschiedung viel da sehr herzlich aus.

Da an eine Weiterfahrt über die Berge bei diesen nassen Verhältnissen nicht zu denken ist, fahren wir dem Orkhon nach zurück und biegen dann rechts Richtung Süden bis zur Stadt Arvaikheer, wo wir das Mittagessen einnehmen. Anschliessend fahren wir ca. 20 km weit und stellen unser Zelt im Delta des Ongi Gol auf. Ursprünglich ist der Fluss 435 Kilometer lang und damit der zehntlängste der Mongolei Er entspringt im Changai-Gebirge und verläuft durch die Wüste Gobi, bis er sich dort in den See Ulaan Nuur ergießt, dessen Name wörtlich übersetzt "Roter See" bedeutet. Laut Presseberichten von 2005 versiegte der Fluss 1998 aber das das erste Mal.
Ein paradiesischer Platz der sich aber für uns in Kürze zur Hölle verwandeln wird.
Irgendwie kam mir die ganze Situation von Anfang an etwas seltsam vor. Von den Bergen her zog ein Gewitter auf. Doch Ogi und Amber schienen keine Notiz davon zu nehmen. Alles nahm seinen gewohnten lauf. Warum laden sie die Koffer aus, dachte ich noch für mich, man könnte ja noch etwas warten. Bernadette und ich entfernten uns dann Flussabwärts um ein Bad zu nehmen und um uns zu  Waschen. Eigenartigerweise flogen Möwen Scheinangriffe auf uns. Eigentlich wollte ich mich noch rasieren, doch jetzt wurde mir doch etwas komisch zu Mute. Wir gingen zum Zelt zurück und ich frage Bernadette wo den Ogi sei. Sie habe ihn gerade noch hinter dem Auto gesehen. Das beruhigte mich etwas. Trotzdem sagte ich Bernadette sie solle sich sofort anziehen und raschmöglichst ins Auto gehen. Ich zog mich auch sofort an, packte meinen Socken mit den Pässen und dem Bargeld und begab mich ins Auto. Als ich ins Auto stieg, sah ich das Ogi da schlief. Er hatte die ganze Zeit neben dem Auto geschlafen und war kurze Zeit vorher ins Auto gestiegen um dort weiter zu schlafen. Es verging keine Minute brach dieser Orkanartige Hagelsturm über uns ein. Der 2.5 t schwere Geländewagen wurde weggeschoben. Der Fahrer der bis zu letzt unter dem Auto lag und an der Befestigung des Ersatzrades bastelte, stellte den Auto dann der länge nach hin. Unser Zelt wurde in der Zwischenzeit weggefegt so dass unsere Koffer nun im freien lagen. Ogi war kurz aufgewacht und schlief nun seelenruhig weiter. Nach 20 Minuten als das gröbste vorbei war, zog ich mich bis auf die Unterhosen aus, damit die einzigen trockenen Kleidungsstücke die mir noch blieben nicht auch noch Nass wurden. Im knietiefen Hagelwasser ging zum Zelt und brachte unser Gepäck zum Auto. Alles war komplett nass und teilweise schmutzig. Ich holte dann noch die restlichen Sachen aus dem Innenzelt. Bernadettes Schuhe war bis oben voll gefüllt mit Hagelkörnern. Was wäre passiert wenn wir es nicht rechtzeitig zurück geschafft hätten? Waren wir sogar in Lebensgefahr? Hatten uns die Möwen gewarnt. Was hätten wir ohne Pässe und ohne Bargeld gemacht? Alles Fragen die uns in diesem Moment durch den Kopf gingen. Jetzt sagte ich Ogi wir sollten zur Stadt zurückkehren um uns ein Hotelzimmer für die Nächste Nacht nehmen. Leider vergeudeten die beiden noch unnötig Zeit mit dem suchen von 2 Schrauben, während dich das Delta immer mehr in eine gewaltige Wasserlandschaft verwandelte. Jedenfalls wurde die Lage noch einmal sehr ernst, als wir gezwungener Massen einen reissend Flussarm überqueren mussten. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn der Motor abgestellt hätte. Im einzig guten Hotel in der Stadt bekamen wir gerade noch das letzte freie Zimmer, da auch mongolische Touristen Unterschlupf suchten. Jetzt musste alles gewaschen und zum trocknen aufgehängt werden. Im Trockenraum des Hotels gab es nur wenig Platz zum Aufhängen so das wir im Bad und im Zimmer jede Möglichkeit zu Aufhängen benutzten.

 

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 Letzte Aktualisierung am  01.06.2017 16:24:40 

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