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Bangladesch 2012
Reisebericht  der   Norden Teil 2

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der Norden

zum Teil 1 der Norden

80 km entfernt von Sylhet, liegt die Teehauptstadt des Landes, Srimangal. Jährlich werden hier auf 40'000 Hektaren über 30 Millionen Tonnen Tee gepflückt. Aber auch Ananas- und Zitronenplantagen prägen das Bild. Unterwegs halten wir bei einer Ziegelei, eine von unzähligen. Bangladesch scheint auch das Land der Ziegeleien zu sein, denn in einem fast steinlosen Land wie Bangladesch ist man auf Ziegel angewiesen. Hier wird alles in Handarbeit hergestellt, und die Qualität der Steine ist sehr mangelhaft. Hier wird gearbeitet, gegessen und gewohnt.

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Noch vor dem Mittagessen fahren wir in die Teegärten Srimangal wo sich über Kilometer Teebüsche wie ein grüner Teppich durch das Land ziehen. In dieser Region leben noch die unterschiedlichsten Bergvölker von Bangladesch. Man kann hier wunderbare Spaziergänge unternehmen und den Menschen bei ihrer Arbeit zusehen. Ein sehr idyllisch  Leben, könnte man meinen. Dem ist leider nicht so.
" Das Schicksal der Arbeiter wurde vor mehr als 150 Jahren besiegelt. Damals brachten britische Firmen ihre Arbeiter aus Regionen wie Bihar, Madras, Orissa oder Andra Pradesh in die Teegärten Sylhets. Das Unglück begann bereits auf der Reise; angeblich ein Drittel der Menschen starb auf dem strapaziösen Weg. Angekommen auf den Plantagen gab man den Arbeitern eine neue Identität: Sie wurden zu Kulis, zu Leibeigenen. Die Teearbeiterinnen und Teearbeiter, die schätzungsweise 20-30 unterschiedlichen indigenen Gruppen angehören, werden von der bangladeschischen Gesellschaft weiterhin abschätzig als Kulis angesehen. Als Menschen, die auf die Plantagen gehören und nicht in ihre Dörfer. Daher finden sie nur schwer eine Beschäftigung außerhalb des Teegartens. Die schlechte Bezahlung auf den Teeplantagen ist ein schwerwiegendes Problem für die Arbeiter.  Bei Verhandlungen im Juli 2009 konnte die Gewerkschaft eine Zusage über Lohnerhöhungen auf 45-48 Cent sowie einen Feiertagszuschuss erreichen.  Auch die Bildungssituation ist miserabel und hindert die indigene Bevölkerung daran, aus dem Kreislauf  der Abhängigkeiten von den Plantagen auszubrechen. Nach Angaben des Bangladesh Tea Board aus dem Jahr 2004 gab es in den 156 Teegärten 188 Grundschulen. Hier unterrichten 366 Lehrkräfte knapp 26.000 Mädchen und Jungen. Die Anzahl der Regierungsschulen ist allerdings verschwindend gering. Vorwiegend werden die Grundschulen von lokalen NGOs betrieben.  Armut, schlechte Bildung und Diskriminierung durch die bengalische Gesellschaft halten sie auf den Plantagen gefangen." Quelle Lisa Kronauer

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Nach dem Essen in Srimangal fahren wir schon bald in Richtung Norden. Ein Einheimischer kommt auch noch mit uns, um uns zum Hail Haor zu führen. Zuerst fahren wir der Hauptstrasse entlang bis wir links in eine Nebenstrasse abbiegen. Jetzt heisst es erstmal 1 Std. Rüttelpiste ( vielleicht etwa 15 Km )in Kauf zu nehmen, doch diese Fahrt ist sehr interessant, denn wir fahren immer wieder durch kleine Ortschaften und weil auch auf dem Fahrweg ein reges treiben herrscht. Ein Haor ist ein Feuchtgebiet und geformt wie ein Schüssel oder ein Untertasse, auch bekannt als Backswamp. Das Haor Becken ist ein international wichtiges Feuchtgebiet. Es ist ein Mosaik aus Feuchtgebieten, darunter Flüsse, Bäche und Bewässerungskanäle, große Bereiche der saisonal überflutet kultivierte Ebenen, und Hunderte von Haors Das ganze Gebiet enthält ca. 400 Haors in verschiedenen Größen von wenigen Hektar bis zu mehreren tausend Hektar. Während der Trockenzeit hat das  Hail Haor immer noch ein Fläche 4500 km2. So ist es nur logisch, dass  dieses Gebiet  ein Paradies für über 100 Einheimische- und über 70 Arten von Zugvögeln ist. Das Wildern ist immer noch ein Problem, doch wird das Bewusstsein über die Nützlichkeit der Vögel bei den Einheimischen langsam geweckt. Für die Menschen die hier leben, ist es ein ewiger Kampf gegen die Naturgewalten. Viele Dörfer wurden auch schon weggespült oder sind vom aussterben bedroht. Wir besteigen einen Aussichtsturm, wo uns ein Einheimischer mit seinem Fernrohr viel verschiedene Vögel zeigt. Anschliessend machen wir mit ihm und seinem morschen Boot ein kleine Rundfahrt. Nach einem kurzen Spaziergang besuchen wir noch ein keine Siedlung. Die Begegnungen mit den Einheimischen sind immer sehr herzlich, doch hier wo wir zusammen Tee trinken uns uns mit der Hilfe von Nannu unterhalten und natürlich auch viele Fotos schiessen, bin ich ganz gerührt von der Herzlichkeit dieser so einfachen Menschen ,die ohne Strom und ohne jeglichen Luxus leben müssen und doch so eine Ruhe und Würde ausstrahlen. Diese Begegnung bleibt für mich ganz bestimmt unvergessen und ich werde sicher beim nächsten Monsun an sie denken.

Heute fahren wir vor dem Frühstück zum 8 km entfernten Lawachara N.P. Wir wandern so ca. 2 Stunden im Park und geniessen ganz alleine die morgendliche Stille. Immer wieder hören wir Gibbons, und verfolgen diese auch abseits des Hauptwegs, doch zu Sehen bekommen wir sie nicht. Der Lawachara National Park  ist 27 km2 gross  und wurde 1996 zum national Park erklärt. Er soll aus 167 Pflanzenarten, 246 Vogelarten 20 Säugetier Arten und 17 verschiedenen Insekten Arten bestehen.  Hier leben noch ungefähr 60 Hoolock Gibbon, die vom aussterben bedroht sind. Die Bahnstrecke von Sylhet nach Srimangal führt durch diesen Wald, und so wurde hier 1956 eine Szene für den Film „ in 80 Tagen um die Welt gedreht.

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Nach dem Frühstück besuchen wir noch ein Dorf des Khashia Stamms. Sie leben nach dem Matrilinearität Prinzip (Mutterfolge). So leben die Frauen nach der Heirat im Hause der Mutter und der Ehemann zieht zu ihnen. Ihre Haupteinnahme Quelle ist die Betelnuss und die Betelnuss Blätter. Die roten Früchte haben etwa die grösse eines Hühnereis und umschliessen mit faserigem Fruchtfleisch den harten Kern. Die Menschen nehmen eine Mischung aus Betelnuss, Blättern sowie Gewürzen, geröstet oder ungeröstet. Das regt Speichelfluss und Schweissdrüsen-Produktion an und versetzt in einen distanziert-heiteren Gemütszustand, Auffallend ist, dass sich hier im Dorf alle Familienmitglieder an der Arbeit beteiligen. .

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Jetzt besuchen wir eine Siedlung in der in der  Menschen aus Manipuri Volksstamm leben. Sie  sind mongolischer Abstammung und sprechen eine Sprache Namens Meithei. Sie essen Fisch aber kein Fleisch. Beim Heiraten wird darauf geachtet, dass das Brautpaar nicht vom gleichem Clan abstammt. Die Manipuri geniessen ihre Freizeit, und so sie spielen Polo, veranstalten Bootsrennen und lieben das Schauspiel und den Tanz. Sie sind  in der ganzen Welt berühmt für ihre wunderschönen ausdrucksstarken Tänzen, die eng mit ihrer Religion verbunden sind.

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Am Nachmittag fahren wir noch einmal durch die Teegärten zu einem beliebten Ausflugsziel der Einheimischen, dem Madabpur Lake. Dieser See ist etwa drei Km lang und in mitten von Teeplantagen umgeben von hügeligen Gelände. Ein Miniatur Vierwaldstättersee oder vielleicht sollte man in den  Vierteegärtensee nennen. Er ist Zufluchtsort von vielen Zugvögeln. Doch für die Einheimischen waren wir das Naturwunder, jedenfalls dauert das Fotshouting länger als 15 Minuten, bis uns alle mit ihren Handys abfotografiert haben.

Am Stadrand von Srimagal kehren wir noch in einem Teahaus ein. Hier gibt es den bekannten Seven Layers Tea.  Dieser traditionelle sieben Schichten Tee wurde erstmals von lokalen Visionär Mymensingh Romash Ram Gour erfunden.  Der einzige Ort auf der Welt, in dem du diesen Tee bekommst ist in seinem Teehaus in Srimangal.  Das Rezept ist ein Geheimnis. Viele Fernsehsender auf der ganzen Welt haben schon darüber berichtet.

Srimangal ist ein sehr angenehmes lebhaftes Städtchen mit einem aufregendem Marktleben. Wir übernachteten im http://www.hotelplazasrimangalbd.com/ das sauber und zentral Gelegen ist. Das Hotel hat kein Restaurant so dass wir jeweils auswärts Frühstücken. Bevor wir Frühstücken und zum Bahnhof gehen, schauen wir noch den Leuten beim Aufbau des Marktes zu und entscheiden uns dort für einen Chai und Süssbrot zum Frühstück.

Nun geht zu Fuss zum Bahnhof, wo wir den Zug aus Sylhet nach Dhaka nehmen werden. Der Zug hat über eine Stunde Verspätung, doch mir soll es recht sein, denn was gibt es spannenderes als auf einem Bahnhof in Bangladesch die Menschen zu beobachten. Von Anfang an gesellt sich ein Junge von gut 10 Jahren zu uns der einen verkrüppelten Fuss hat und den ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Später komm noch ein kleinerer Junge dazu, dessen Kleider sind ganz schwarz vor Dreck. Es gibt es auch viele schwer Körperbehinderte oder alte Menschen die einem nach Geld fragen. Da wo ich es für Richtig erachte, gebe ich jeweils gerne 1Euro. Wie überall in Bangladesch, sind wir auch hier die einzigen Westler. Ein paar mal wird der kleinere Junge von uns weg gewiesen, doch wir winken ab. Als eine Frau, der ich nichts geben wollte, von einem Beamten weggewiesen wird, flippt sie aus uns schreit: Warum darf der Junge bei uns sein und sie nicht. Zuerst trifft der Gegenzug ein und nach einer halben Stunde dann unser Zug. Die Kinder begleitet uns noch in den Zug und wir verabschieden uns und natürlich gebe ich ihnen auch das, was sie erwarten. Wir Sitzen in einem sechser AC Abteil das  sehr gross ist und mit Polsterbänken sind mit Samt überzogen. Ich stelle mir vor, wie hier noch vor 70 Jahren Ladys aus England in ihren langen Kleidern gesessen haben. Spannender wäre es allerdings beim Fussvolk, doch ein bequemer und reservierte Platz für eine so lange Reise hat eben schon seine Vorteile. ( weiter geht es beim Reisebericht Sundarbans )

 

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 Letzte Aktualisierung am  01.06.2017 15:46:28 

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